“Von der Kunst des Tagträumens.“ Am Erker. Zeitschrift für Literatur. July 2016.

amerker71_cover.jpgDass das Tagträumen wohl eher eine im Niedergang begriffenen Kunstform ist, hat eine Studie kürzlich eindrücklich veranschaulicht: 66% männlicher und 25% weiblicher Probanden geben sich lieber Elektroschocks, als mit ihren Gedanken alleine zu sein. Gute Nachrichten also für die Marketingstrategen von Instagram, Twitter &Co – bis auf den fahlen Nachgeschmack, denn eines ist sicher: mit der Fähigkeit, alleine zu sein befindet sich auch genau die Art der Kreativität in Gefahr, die dem täglichen Exzess an Informationen ins Gesicht lachen kann. Die Tagträumer, die Beobachter, die einsamen Flaneure sind ein Kulturgut, nicht weil sie eine Nostalgie des süßen Nichtstuns pflegen, noch interessiert das Prokrastinieren. Zur Debatte steht eine Kultur der Kreativität aus dem Nichts heraus. Grund genug für einen nach-reisezeitlichen Streifzug durch die Kunst des schöpferischen Nichtstuns.

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